Robert Krüger

Warum ich freiberuflicher Texter geworden bin

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich im Frühjahr 2018 schon mal selbstständig machen wollte. Anders als heute konnte ich dieses Projekt aber nicht alleine “wuppen” — und habe es erstmal auf die lange Bank geschoben. Nicht aufgegeben, sondern aufgeschoben. Nun mache ich einen weiteren Schritt: Ich werde freier Texter. Hier gebe ich fünf Gründe, warum ich Freelancer geworden bin.

Grund #1:  Frustrierende Vorstellungsgespräche

Es ist doch zum Haareraufen. Mein ganzer August 2018 war voll von Vorstellungsgesprächen. Einigen war ich nicht kreativ genug, anderen war ich zu kreativ, bei wiederum anderen war ich mit meinen Schwächen zu ehrlich (Blog-Artikel folgt), und bei über 50% weiß ich immer noch nicht, warum ich nicht genommen wurde, weil viele Personaler Bewerberfeedback meiden wie Satan das Weihwasser. Da sagt mir eine Agentur mit der Begründung ab, dass ich zu wenig Agenturerfahrung habe. No shit, Sherlock, das hätte man schon meinem Lebenslauf entnehmen können.

Grund #2:  Überfordernde Großraumbüros

Ich habe in einigen Unternehmen Einblicke sammeln dürfen, da wäre ich am liebsten sofort wieder umgedreht. Veraltete Einrichtung, bedrückende Enge, fürchterliche Soundkulisse, Küchengerüche — für eine hochsensible Person wie mich sind ständige Einflüsse sehr belastend und ein unglaublicher Produktivitätsvernichter. Ein vorbeigehender, vielleicht sogar mitteilungsbedürftiger Kollege, das Gefühl, seinen Namen zwei Reihen weiter zu hören… und schon bin ich raus aus dem Text und habe Schwierigkeiten, mich darauf zu konzentrieren.

Deshalb liebe ich Home-Office-Regelungen. Ich kann selbst entscheiden, ob ich von meinem Macbook oder meinem PC arbeite. Wann ich mir essen mache. Und von wo ich arbeite.

Grund #3:  Viele unproduktive Down-Times, in denen man nichts zu tun hat

Ich bin in keinem Unternehmen vor Arbeit gestorben. In einer Festanstellung als Copywriter in einem Unternehmen hatte ich zwei Stunden Arbeit jeden Tag — die restlichen 6 Stunden durfte ich unproduktiv rumsitzen. Entweder zeigt das, wie produktiv ich war — ich habe mich selten an Office Gossip beteiligt — oder es bedeutet, dass einfach nicht genug Arbeit vorhanden war.

Als freier Texter kann ich das besser händeln — das Projekt steht im Mittelpunkt, nicht die Arbeitszeit. Denn manchmal gibt es Tage, an denen man zwei Stunden Arbeit hat, und dann gibt es Tage, an denen ist man nach 10 Stunden noch nicht fertig.

Programmierer oder Texter funktionieren aber auch nicht auf Knopfdruck oder von 9–18 Uhr, oder 40 Stunden die Woche, sie brauchen den Flow. Die Motivation. Das kann um 8 Uhr morgens sein, oder kurz nach Mitternacht (so wie bei mir häufig). Manchmal braucht es Tage, bis man den Flow gefunden hat. Und können wir mal darüber reden, dass ich nicht von 9–18 Uhr im Büro sein möchte, sondern von 7–16 Uhr, damit ich vom Tag noch was habe? Bei meinen Vorstellungsgesprächen hatte ich das Gefühl, dass wirklich flexible Arbeitszeiten wieder am Aussterben sind. Wenn es um Arbeit geht, bin ich aber Frühaufsteher.

Ich habe mal in einem Unternehmen gearbeitet, wo der neue Director of Marketing den einzigen Home-Office-Tag in der Woche gestrichen hat. Hieß: 1 Stunde Arbeit, 7 Stunden so tun, als sei ich beschäftigt. Alles in einem Großraumbüro im Altbau, in dem man jedes. einzelne. Wort. gehört hat.

Grund #4:  Inkompetente Vorgesetzte

Schon mal jemand vom Peter-Prinzip gehört? Es besagt, dass “jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen”.

Ich habe es in meinem INTJ-Blogpost schon angedeutet, aber: Ich mag keine inkompetenten Menschen. Besonders inkompetente Vorgesetzte (“Ich hab es so verstanden, also werden andere es auch so verstehen”) machen mir zu schaffen, und ich gehöre zu der seltenen Menschen-Spezies, die sich nicht von schön klingenden Berufsbezeichnungen und Manager-Titeln beeindrucken lässt. Mein extrem hohen Anspruch an mich projiziere ich auch auf meine Umwelt, und besonders wenn sich jemand Manager nennt, muss der-/diejenige dementsprechend liefern können.

Wenn also obiger Director of Marketing ernsthaft in Erwägung gezogen hat, eine Social-Media-Managerin einzustellen, die ihre Follower gekauft hat, dann hört der Spaß für mich auf. Aber hey, ich war ja nur ein kleiner, unbedeutender Copywriter, nicht wahr?

Oder die Inhaberin eines Start-Ups, welches ich nach nur zwei Wochen wieder verlassen habe: “Ich habe gehört, dass sich zwei Kollegen kurz vor meinem ersten Arbeitstag geprügelt haben sollen.” 
Antwort der Chefin, die nach eigenen Aussagen schon über hundert Start-Ups gecoacht haben soll: “Sie haben sich ja nicht wirklich geprügelt.”

Nun ja.

Bei Kunden ist es etwas anderes — mit denen sitzt man nicht 40 Stunden lang im selben Raum. Und wenn es auf beiden Seiten nicht passt, dann muss man ja auch nicht weiter zusammenarbeiten. Ich bin mein eigener Chef. Ich MUSS kompetent sein. Ich MUSS mehr als 100% liefern. Und das ist mein Anspruch als freier Texter!

Grund #5:  Mein Talent als Waffe

Der natürlich wichtigste Punkt auf dieser Liste — ich kann schreiben. Es macht mir Spaß, ich bin mit ganzem Herzen dabei. Und mein Talent wurde mir von zahlreichen Lehrern, Vorgesetzen, Kollegen und Recruitern bestätigt. Ich habe erkannt, dass ich mein Talent viel besser einsetzen kann, wenn ich für mehrere Auftraggeber tätig bin. Gleichzeitig kann ich meinen Horizont noch mehr erweitern, als dies bei einer Festanstellung der Fall wäre. Ich bin wahrlich nicht perfekt und auch nicht der beste Texter. Auch ich mache Fehler — aber wenn ich Fehler mache, dann stehe ich zu ihnen und suche die Schuld nicht bei anderen.

Die Einsicht, dass freelancern für mich die bessere Wahl ist, führt zu kuriosen Situationen — auf einmal mache ich mir aktiv Gedanken über SEO in diesen Texten. Was mir früher immer neblig erschien habe ich nun glasklar vor Augen. Zudem achte ich nun aktiver und noch bewusster auf Text — auf anderen Plattformen, aber auch bei meinen älteren Blog-Texten. Und wie man schlechten Content von gutem Content unterscheiden kann, das werde ich auch noch bloggen.

Fazit: Ich war noch nie so glücklich!

Der Schritt in die Freiberuflichkeit war notwendig und schon zu Beginn meiner Berufslaufsbahn geplant. Zwar hätte ich gerne noch ein paar Erfahrungen z. B. in einer Agentur gesammelt — aber ich bin bereit für neue Herausforderungen.

Wie sieht es bei euch aus? Warum habt ihr euch selbstständig gemacht? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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