Robert Krüger

Die Vorteile von Freelancern gegenüber festangestellten Textern​

Sie schieben einen ungelösten Content-Berg vor sich her, Ihre Mitarbeiter stöhnen vor Überlastung, weil sie zusätzlich noch texten müssen oder ein wichtiges Projekt steht an? Zeit, sich einen professionellen Texter ins Boot zu holen! Warum Sie Ihren Blick zuerst auf Freelancer richten sollten erläutere ich hier.

Newsletter, Landing Pages, Flyer, CRM-Mails, Pressemitteilungen, Blog-Posts, Artikel, Produktbeschreibungen, Sales-Funnel, Release Notes-Texte… die Text-Arten können so vielfältig wie deren Inhalte sein. Doch auch wenn der Content-Berg so groß wie der Mount Everest ist — nicht immer lohnt sich ein festangestellter Texter. Das Umschreiben alter Texte ist in der Regel eine einmalige Angelegenheit, und auch der Content-Berg ist irgendwann erklommen bzw. abgearbeitet. Doch wie sieht es aus, wenn stetig neue Texte verfasst werden müssen?

Machen wir die Rechnung: Laut Statista betrug das Mediangehalt für Agentur-Texter 2017 33.307 Euro brutto pro Jahr. Rechnen wir mal der Einfachheit halber mit 35.000 Euro (2.916,67 Euro monatlich), da in Agenturen das Gehalt tendenziell geringer ist und die Berufsgruppe jünger. Erfahrene Spitzen-Texter sind deutlich teurer und können mehr als 50.000 Euro kosten! Leider hat der Texter in vielen Unternehmen nicht den Stellenwert, den er haben sollte — Gehälter von weit unter 30.000 sind leider die Regel. Damit gute Texter zu bekommen dürfte sich aber schwierig gestalten.

Die Vorteile von Freelance-Textern

Nun ist das Texten ein sehr kreativer Beruf — haben Sie schon mal versucht, acht Stunden lang am Tag, 40 Stunden in der Woche, kreativ zu sein? Richtig, das klappt nicht. Recherchen, Korrekturen, Meetings, Warten auf Zuarbeiten, Rücksprachen mit Stakeholdern, Lektorate — im besten Fall kann ein Texter vier Stunden am Tag wirklich kreativ durchtexten. Einen festangestellten Copywriter bezahlen Sie aber für acht Stunden — ganz gleich, ob es Arbeit gibt oder nicht. Klar, man kann ihn auch über mehrere Tage an einen Text setzen, doch wird der Text dadurch nicht besser, sondern eher schlechter und aufgeblähter. Im Idealfall macht das also 20 produktive Stunden in der Woche — wenn da kein geschwätziger Kollege den Flow kaputt macht, die Technik wieder streikt oder das gefürchtete Nachmittagstief zuschlägt.

Festangestellten Content-Schreibern müssen Sie Urlaubs- und Krankengeld gewähren, Sie müssen Steuern und Sozialabgaben vom Lohn abziehen. Ein Freelancer muss diese selbst begleichen — deshalb mögen die Honorarvorstellungen zunächst etwas hoch erscheinen. Diesen bezahlen Sie dafür aber nur, wenn Sie ihn wirklich brauchen. Haben Sie keine Arbeit, dann müssen Sie ihn nicht bezahlen. Viele Auftraggeber unterschätzen auch die Kosten für die Software, die bei Festanstellungen das Unternehmen übernehmen muss, Freie aber selbst bezahlen müssen.

Im besten Fall beschäftigen Sie den Freelancer daher über einen längeren Zeitraum (etwa 2–3 Monate) und haben einen Rahmenvertrag mit vergünstigten Stunden-/Tagessätzen oder Pauschalpreisen abgeschlossen, was den Aufwand und die Kosten für Ihr Unternehmen noch weiter senkt. Sie müssen bei Festen zudem die Kündigungsfristen und Arbeitsschutzgesetze (AGG, Pausenregelungen, Hitzefrei etc.) einhalten. Bei Freien entfällt dies.

Viele Unternehmen unterschätzen zudem die Kosten, die unmotivierte, festangestellte Texter mit sich bringen — das gefürchtete “Dienst nach Vorschrift, aber nicht mehr”. Freelancer sind dagegen bemüht, bestmögliche Ergebnisse abzuliefern, schließlich sind diese auch “Unternehmen”. Läuft die Zusammenarbeit nicht so wie geplant? Dann suchen Sie einfach einen anderen Freelancer. So einfach geht das!

Gute Texter sind selten

Doch selbst wenn Sie genug Arbeit haben, Sie müssen erstmal einen Texter finden. Also schalten Sie sündhafte teure Stellenanzeigen bei Stepstone, Indeed oder Monster, mit oft ungewissem Ausgang. Dann kriegen Sie Bewerber, doch sind das auch die richtigen? Sicher, “schreiben” kann jeder. Das Talent dazu besitzt aber nicht jeder. Wenn Sie sich also nicht mit dem erstbesten Bewerber begnügen wollen, müssen Sie weitersuchen.

Damit sich Texter überhaupt bei Ihnen bewerben muss Ihr Unternehmen auch etwas bieten — und zwar mehr als das typische “dynamisches Team” oder “spannende Aufgaben”. Sie müssen ihn onboarden und Equipment und Software stellen — das schlägt mit mehreren Tausend Euro zu Buche, wenn Hard- und Software erst geordert werden müssen.

Zum Vergleich lohnt sich ein Blick in eine andere Branche. Henner Knabenreich hat auf personalmarketing2null.de die Kosten einer unbesetzten Pflegekraft-Stelle mit rund 62.000 Euro pro Jahr beziffert. Dabei verdient eine Pflegekraft in etwa genauso viel wie ein Texter (s.o.). Unbesetzte Stellen führen im Team zu mehr Stress, höherer Unzufriedenheit und höherem Krankenstand.

Die Monotonie der Aufgaben führt bei vielen Textern dazu, dass sie das Unternehmen nach einem Jahr wieder verlassen. Wer will schon den ganzen Tag stumpfe Produktbeschreibungen verfassen?

Fazit: Nicht immer lohnen sich Festanstellungen

Bevor Sie eine Stelle ausschreiben sollten Sie sich fragen und ehrlich sein: Rechtfertigt das Content-Aufkommen wirklich eine Vollzeitstelle? Fragen Sie Kollegen, beobachten Sie sie. Würde sich eine Teilzeitstelle eher rentieren? Aber auch hier gilt: Gute Texter, die Teilzeit arbeiten wollen sind noch seltener. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es mittlerweile mehrere Monate dauert, bis die Stelle in Vollzeit besetzt werden kann. Mein vorheriger Arbeitgeber hat sechs Monate für einen Nachfolger gesucht, ich kenne ein Unternehmen, das seit mindestens Dezember 2017 einen Copywriter sucht! Können Sie solange warten?

Gute Freelancer dagegen sind zeitnah verfügbar, können nach einiger Zeit vielleicht sogar fest übernommen werden und sind nur eine Google-Suche entfernt. Oder eine E-Mail.

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